Postbräu Kallmünz – Wo Geschichte weiterlebt
Zwischen Naab und Vils, dort wo die Flüsse sich begegnen und das Wasser seit Jahrhunderten dieselben Steine umspült, steht ein Haus, das mehr erlebt hat als so manch ein Geschichtsbuch erzählen könnte. Hier, in der Vilsgasse, wo einst Pferde schnaubten und Postkutschen hielten, schlägt seit Jahrhunderten das Herz des Postbräu Kallmünz.
Seine Wurzeln reichen weit zurück – bis etwa ins Jahr 1341, als das „Raitenbucher Brauhaus“ Bier für den Ritter Heinrich von Raitenbuch braute. Im 1470 ging die Brauerei in private Hände über und wurde zu einem festen Bestandteil des Ortslebens. Namen wie die Familien Mülner, Biebl und Schön prägten ihre Geschichte.
Im 19. Jahrhundert lenkten dann Peter Knauer und später die Familie Bayerl die Geschicke des Hauses. In den alten Sudkesseln dampfte das Bier. Josef Bayerl, Braumeister und königlicher Posthalter, verband das Brauen mit dem Botschaftenbringen – beides Handwerke, die Menschen zusammenführten.
Wer damals in der „Post“ einkehrte, fand mehr als ein Wirtshaus. Hier wurde gefeiert, gestritten, gemalt und gesungen. Künstler wie Constantin Gerhardinger und Hermann Gradl saßen an den Fenstern mit Blick auf die Vilsgasse, ließen sich vom Licht der Naab inspirieren und tranken das Bier, das Bayerl selbst gebraut hatte.
Nach den Wirren des Krieges übernahm Anton Bayerl, und dann in den 1980er Jahren begann die Familie Mandl mit einer teilweisen Renovierung, in der Hoffnung das alte Haus wiederzubeleben. Doch ein Brandunglück setzte den Arbeiten ein jähes Ende. Danach verfiel das Gebäude in einen langen Dornröschenschlaf – seine Mauern schwiegen, die Fenster blickten leer auf die Gasse, als hätten sie all die Stimmen von früher nur noch im Traum gehört.
Erst im Jahr 2023 erwachte der Postbräu zu neuem Leben. Wir, die Familie Santovito, nahmen uns der Aufgabe an, dem Haus seine Seele zurückzugeben – Schritt für Schritt, mit Respekt vor seiner Geschichte und Liebe zum Detail. Heute füllt sich das Gebäude nach und nach wieder mit Leben, mit Lachen, Gesprächen und dem Duft frisch gekochter Speisen – so, wie es immer gedacht war.
Der alte Wind weht noch durch die Gassen und lässt das eiserne Wirtshausschild sacht erklingen – als wollte er sagen, dass Geschichte niemals endet, sondern nur weitergetragen wird. So ist das Postbräu Kallmünz kein Ort der Vergangenheit, sondern ein Ort des Weitererzählens.
Wenn Sie jetzt hier sitzen, mit einem frischen Bier und einem warmen Teller vor sich, dann sind Sie Teil dieser Geschichte.
Willkommen daheim!